Laut Daten des Türkischen Statistikinstituts (TÜİK) stiegen die Wohnungsverkäufe in der Türkei im Juni 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 35,8 % auf 107.723 Einheiten. Während dieser Anstieg als Zeichen einer Belebung des Sektors gewertet wird, machte Derya Filiz Dalga, Gründerin von Mega Project und Immobilienexpertin, auf die Nachhaltigkeit dieser Marktdynamik aufmerksam und äußerte sich ausführlich.
„DER ANSTIEG DER VERKÄUFE IST POSITIV, ABER NICHT AUSREICHEND“
„Der Anstieg der Verkäufe ist natürlich erfreulich“, sagte Dalga und betonte, dass eine dauerhafte Verbesserung nur mit einer soliden Finanzierungsgrundlage möglich sei:
„Der Zugang zu Krediten für die mittlere Einkommensgruppe ist nach wie vor begrenzt. Dies ist einer der Hauptfaktoren, die ein gesundes Wachstum des Sektors behindern. Eine große Gruppe von Menschen, die Wohneigentum erwerben möchte, bleibt aufgrund fehlender Finanzierungsmöglichkeiten passiv.“
BELEBUNG BEI KREDITFINANZIERTEN VERKÄUFEN, ABER ANTEIL IMMER NOCH NIEDRIG
Im Juni stiegen die hypothekenfinanzierten Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr um 112,6 % auf 14.484 Einheiten. Allerdings machten diese Verkäufe nur 13,4 % des Gesamtvolumens aus.
„Die Zinssätze sind für viele Bürger nach wie vor unerschwinglich. Der niedrige Anteil kreditfinanzierter Verkäufe zeigt, dass mittlere und untere Einkommensgruppen vom Wohnungsmarkt ausgeschlossen sind. Dieses Wachstum ist nicht nachhaltig und könnte oberflächlich bleiben“, so Dalga.
„DIESE VERKAUFSZAHLEN WÄREN IN EINEM ANDEREN LAND NICHT MÖGLICH“
Dalga erklärte, dass die robuste Verkaufsentwicklung trotz des Hochzinsumfelds auf eine einzigartige Marktresilienz der Türkei zurückzuführen sei:
„Der Verkauf von 107.723 Wohnungen in einer Zeit, in der der Kreditzugang begrenzt und die Zinsen hoch sind, ist wirklich bemerkenswert. In den USA beispielsweise verlangsamt sich der Markt bereits bei einem minimalen Zinsanstieg trotz des 30-jährigen Hypothekensystems. In der Türkei hingegen geht der Markt trotz der hohen Zinsen weiter voran.“
„WOHNUNGEN BEI HOHEN ZINSEN ZU KAUFEN, IST NICHT SO FALSCH, WIE MAN DENKT“
Dalga wies darauf hin, dass ein Wohnungskauf auch bei hohen Zinsen sinnvoll sein kann:
„Wenn die Zinsen sinken, ergeben sich Refinanzierungsmöglichkeiten. Allerdings werden Gewinne nicht bei fallenden, sondern meist bei steigenden Immobilienpreisen erzielt. Wer heute kauft, kann morgen bei sinkenden Zinsen sowohl seine Schulden verringern als auch eine wertvollere Immobilie besitzen. Der im Juli begonnene Zinssenkungsprozess deutet darauf hin, dass die Hypothekenzinsen in den kommenden Monaten nachgeben könnten, was eine neue Nachfragewelle auslösen wird.“
NEU- UND GEBRAUCHTWOOHNUNGSVERKÄUFE IM GLEICHGEWICHT, ABER RISIKEN
Im Juni stiegen die Verkäufe von Neubauwohnungen um 32 % (33.569 Einheiten), während Gebrauchtwohnungen um 37,6 % (74.154 Einheiten) zulegten und 69 % des Gesamtvolumens ausmachten.
„Für den Neubau werden sowohl Grundstücke als auch Finanzmittel benötigt. Wenn die Produktion zurückgeht, steigt die Nachfrage nach Gebrauchtimmobilien, was die Preisstabilität auf dem Markt gefährden könnte“, warnte Dalga und wies darauf hin, dass eine Verlangsamung der Bautätigkeit das Angebots-Nachfrage-Verhältnis langfristig weiter verschärfen könnte.
TAUSCHGESCHÄFTE KÖNNEN DIE STATISTIK VERZERREN
Dalga merkte zudem an, dass die Daten die Realität möglicherweise nicht vollständig widerspiegeln:
„Tauschgeschäfte werden im Grundbuch als Doppeltransaktionen erfasst, was die Statistik verzerren und die Verkaufszahlen höher erscheinen lassen kann, als sie tatsächlich sind.“
VERKÄUFE AN AUSLÄNDER: KURZFRISTIGE SCHWANKUNGEN, LANGFRISTIGE UNSICHERHEIT
Die Verkäufe an Ausländer stiegen im Juni um 8,7 % (1.565 Einheiten), im ersten Halbjahr gab es jedoch einen Rückgang von 10,6 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
„Das Interesse ausländischer Investoren kann phasenweise lebhaft bleiben. Doch ohne Wechselkursstabilität, Einbürgerungsanreize und ein sicheres geopolitisches Umfeld wird dieses Interesse nicht nachhaltig sein. Es muss eine vorhersehbarere Struktur geschaffen werden.“
DRUCK AUF DIE MIETPREISE: KREDITZUGANG IST EINE SOZIALE FRAGE
Dalga betonte, dass Finanzierungsprobleme nicht nur individuelle, sondern auch gesellschaftliche Auswirkungen haben:
„Wenn Bürger mit mittlerem Einkommen keinen Kredit erhalten, bleiben sie gezwungenermaßen Mieter. Dies erhöht die Nachfrage nach Mietwohnungen, treibt die Preise in die Höhe und stört das soziale Gleichgewicht. Daher ist der Kreditzugang nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine soziale Frage.“
AUFRUF AN DIE BRANCHE: GEMEINSAME BASIS NOTWENDIG
Derya Filiz Dalga schloss ihre Ausführungen mit den Worten:
„Der Anstieg im Juni ist zweifellos positiv. Doch um diesen Schwung beizubehalten, reicht es nicht, nur über die Nachfrage zu sprechen. Produktion, Finanzierung und rechtliche Rahmenbedingungen müssen gemeinsam betrachtet werden. Staat, Privatwirtschaft und Finanzinstitute müssen koordiniert handeln. Als Branchenexperten sind wir bereit, unseren Beitrag zu diesem Prozess zu leisten.“




















































