„SCHMUTZ“, unterstützt durch finanzielle Beiträge des Ministeriums für Kultur und Tourismus der Republik Türkei, zieht das Publikum mit dem Text von Erdinç Aydın und der Regie von Mustafa Çavuş tief in einen gesellschaftlichen und individuellen Konflikt hinein.
Am Samstagabend, den 17. Mai 2025, trifft das Stück „SCHMUTZ“ auf der Akademiebühne der Gemeinde Yenişehir sein Theaterpublikum und beendet damit die Saison. Das Stück, das die Spannung zwischen traditionellen Werten und Freiheit durch die Wandlung der menschlichen Seele thematisiert, lädt das Publikum zu einer Reise voller Fragen ein.
Die Geschichte beginnt, als İbrahim Ağa (Şahdi Özdemir), der das Erbe seines kranken Vaters, des Dorfherrn von drei Dörfern im Osten, antritt und aus Sehnsucht nach einem männlichen Nachkommen die 20-jährige Dilan (Yaren Danış) als dritte Ehefrau nimmt. Doch in der Hochzeitsnacht flieht Dilan mit Yusuf (Emre İnce), der auf der Baustelle im Dorf arbeitet, was İbrahims Besessenheit, seine Ehre zu reinigen, entfacht. İbrahim und Dilans Bruder İsmail (Mustafa Çavuş führen einen Überfall in der Baracke durch, in der Yusuf, sein koreanischer Kriegsveteranenvater Dursun Çavuş (Orhan Özbaba) und seine geschiedene Schwester Şükran (Ergül Tunga Kaya), die wegen Unfruchtbarkeit von zu Hause verstoßen wurde, leben.

Die während des Überfalls entstehenden Spannungen legen die inneren Konflikte aller Charaktere offen. Die Erinnerung an Sefer, den anarchistischen Sohn von Dursun Çavuş, dessen Tod durch dessen Verrat verursacht wurde, Şükrans körperlicher und emotionaler Schmerz in ihrem lahmen Bein, İsmails hölzerne Puppe, die er nie aus der Hand gibt, sowie seine Besessenheit von Don Quijote – all das verwandelt sich auf der Bühne in eine Konfrontation.
İbrahim richtet seine Waffe auf Dilan, kann jedoch nicht abdrücken, und İsmail gibt im letzten Moment seinem Gewissen nach und feuert in die Luft. Diese Momente spiegeln die Seelenzustände der Figuren wider, die zwischen Dunkelheit und Licht gefangen sind. Sie bringen dramatisch zum Ausdruck, wie der Mensch die Fähigkeit zur Veränderung besitzt und sich seinen inneren Widersprüchen stellt.

Symbole und Bühnenbild sind geprägt von Elementen, die tiefere Bedeutungen in der Geschichte tragen. Die Sprache der Farben spiegelt den Konflikt zwischen gesellschaftlichem Druck und individueller Freiheit wider. Kostüme und Dekor in Grautönen stehen für starre soziale Normen, während das Rot, das Dilan trägt, ihren individuellen Widerstand, die Suche nach Freiheit und Hoffnung symbolisiert.
İsmails Charakter gewinnt Bedeutung durch die hölzerne Puppe und Don Quijote. Die Holzschnitzkunst, die er von seinem Grundschullehrer gelernt hat, spiegelt das einfache, aber aufrichtige Leben im Dorf wider, während seine Bewunderung für Don Quijote die naiven Widersprüche eines Dorfbewohners zeigt, der gegen unerreichbare Ideale kämpft. Dass er seinen Hund „Dulcinea“ nennt, verweist sogar auf die Diskrepanz zwischen seinem träumerischen Streben und der Realität.
Andererseits symbolisiert Dilans Schwangerschaft nicht nur eine körperliche Wiedergeburt, sondern auch die sich wandelnden Dynamiken der Gesellschaft und das Zeichen einer hoffnungsvollen Veränderung. Jedes Symbol macht die Spannung zwischen der inneren Welt der Figuren und der gesellschaftlichen Realität sichtbar.
Das Werk „SCHMUTZ“ stellt den Konflikt zwischen traditionellem Ehrbegriff und dem Freiheitskampf des Individuums in den Mittelpunkt. Das Bestreben jeder Figur, den eigenen „Schmutz“ zu reinigen, bildet die thematische Grundlage der Geschichte. İbrahims Wandel von Wut zu Gewissen und İsmails beginnendes Infragestellen seines blinden Glaubens konfrontieren das Publikum mit einer tiefgründigen Frage.

„Beginnt Veränderung mit der inneren Wandlung des Menschen oder mit der Neudefinition der Gesellschaft?“
Dieser Konflikt unterstreicht die Wirkung des Werks sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene und fordert das Publikum dazu auf, den Ursprung von Wandel zu hinterfragen. Die symbolische Sprache von Bühnenbild und Kostümen bietet dabei eine visuelle Vielfalt auf der Bühne.
„SCHMUTZ“ befreit das Publikum vom passiven Zuschauen und lädt dazu ein, sich mit den dunklen und hellen Seiten der menschlichen Natur auseinanderzusetzen.
Genre: Theaterstück
Autor: Erdinç Aydın
Regie: Mustafa Çavuş
Darsteller: Şahdi Özdemir, Orhan Özbaba, Ergül Tunga Kaya, Mustafa Çavuş, Yaren Danış, Emre İnce
Produktion: Value Theater & Produktion


